Wulf Jahn
   31.1.2024

 

 

Trauerrede von Elke Schuster

Liebster, geliebter Wulf

Am 14. März 2023 bekamen wir vom Wirbelsäulenchirurgen im St.Josefskrankenhaus die Diagnose:   Multiples Myelom, oder Knochenmarkkrebs.
Gleichzeitig mit unserem Schreck die Entwarnung: Heutzutage gut behandelbar...15 gute Jahre durchaus üblich...
Elf  Monate später am 31. Januar um halb neun abends bist du im Urban Krankenhaus auf der Onkologie gestorben. Ein halbes Jahr vor deinem 70. Geburtstag am 20.Juni. 24.
Ich schaue fassunglsos auf dieses Jahr deines Leidens, auf deinen frühen Tod,
Am 14. April (du hattest die erste Chemo) schriebst du mir:

 

Mein Liebes
Es wird alles, und wir schwachen können s nur so gut wie s geht. Und so richtig wie sonst auch immer. Und musst nicht verzweiflen. Im momennt is das schlimmste was passieren kann, dass ich übelkeit bekomme. Und dir es schlechter geht als mir. Bleib ruhig und stark wie du bist. Tut dann nicht so weh .Sei klug kümmer dich so gut um dich wie du kannst. Ich glaub das geht gut hier mit mir und das soll es auch mit dir.
Und fang jetzt nich an zu flännen.
Muss nich, geht gut alles.
Kene angst. Is nur blöde Episode.

 

 Es gibt ja soviele Therapiemöglichkeiten. Eine nach der anderen wurde angwendet und ist gescheitert. Jedes Mal sind wir voller Hoffnung eingestiegen, haben uns gefreut wenn es dir besser ging und waren verzweifelt wenn wieder ein  Absturz folgte. Dieser Krebs, dieses Myelom sei  besonders aggressiv ,hieß es. Kaum wurde es zurückgedrängt, entwickelte es Resistenzen. Es zerfrisst das Skelett und vergiftet das Blut. Bringt so den Geist durcheinander , schwächt den Körper bis zur Unbeweglichkeit  und führt letzlich zu Organversagen. ..Also..Notfall, sofort ins Urban, Infusionen bis die Krise im Griff ist.  Immer wieder.
Dein Körper war ein Schlachtfeld geworden, zum Skelett abgemagert, pflegebedürftig. ..
Dann kam ein Sturz ,ein Oberschenkelhalsbruch, Covidinfektionen, und zum Schluss die Lungenentzündung. Die unerträglichen Schmerzen wurden durch immer höhere Morphingaben unterm Deckel gehalten.  Auch das hatte seinen Preis..“werde ich je wieder gehen können ?“  hast du gefragt. „Aber ja mein Schätzel, du wirst sehen, du kommst wieder auf die Beine“...

 

Du warst unglaublich tapfer. Wir waren unglaublich tapfer. Wir haben aus dem ganzen Elend soviel Glück  und gute Stunden wie  möglich herausgepresst,   haben bis kurz vor Deinem Tod Besuch empfangen, den wir vor unser Bett platzierten,denn du konntest nicht mehr aufstehen. Wir  hatten entspannte Stunden, in denen wir vergnügt beieinander lagen.
Im Urban auf der Station 82 im 8. Stock, wo du bei jeder deiner Abstürze gelandet bist, oft nach 6 bis 9 stündigem Warten auf der Rettungsstation,  warst du meist gut versorgt. Sylvester hatten wir ein Doppelzimmer, ich durfte zwei  Nächte bei dir bleiben und wir haben mit alkfreiem Sekt und der netten koreanischen Pflegerin auf das neue Jahr angestossen, dabei  die fantastische Aussicht aus Breitwandfenstern bewundert.
Das war ein Monat vor deinem Sterben und unser 10. Hochzeitstag.
Am 27.1. steht in meinem Tagebuch:
Wulf wird sterben.Bald. Todesangst.Ohnmacht.
All die Therapien. Eine muss doch helfen....noch lange sind nicht alle ausprobiert.
Wulf hatte starke Schmerzen. Jetzt liegt er schmerzfrei....immerhin....aber sein Rückgrat ist zerbröselt...Sein behandelnder Oberarzt hat mir gesagt: Liebe heißt auch Loslassen und wäre Wulf sein Vater, er würde keine lebensverlängernde Maßnahmen anwenden, das würde nur die Qualen verlängern. Sein Freund Jürgen kommt, nimmt Abschied. Wulf erkennt ihn kaum mehr. Ich rufe Ebba an ,die Schwester. Nach der hat er gerufen in seiner Todesnot. Jetzt also ist es soweit...Sterbephase..man überlässt uns das Zweibettzimmer, der Zimmernachbar, der nette Herr Nagler,wird verlegt.
Ich möchte immer noch an ein Wunder glauben,  kann nicht von seiner Seite weichen, als ob Wulf solange ich aufpasse nicht sterben kann, nicht sterben darf... Loslassen...leicht gesagt.

 

Ach liebster Wulf...dein Atmen wird mühsam....immer wieder versuche ich die Sauerstoffzufuhr in deine Nase zu schieben..“.Schätzele das macht dir das Atmen leichter „..immer wieder reißt du sie weg. Du willst nichts mehr. Die Sauerstoffflaschen brodeln.Ein Geräusch, wie an einem Bach. Jürgen meint wie im Aquarium. Die Zeit steht still. Das große Schluchzen darf mich nicht überschwemmen.Das muss ich mir aufheben. Laut klagst Du über  deinen frühen Tod..trauerst um dein Leben. .. wohl auch um mich,  um unser gemeinsames Glück. Hast viel geweint in den letzten Tagen, konntest nicht mehr sprechen, dich nicht artikulieren.
Ein gnadenloser Feind in deinem Inneren....wie konnte er sich einnisten? In deinen schönen starken Körper, der immer 10 Jahre jünger aussah.....jetzt : die Beine, Haut und Knochen,der Rücken gekrümmt.. deinen schönen Kopf kannst du nicht mehr halten er sinkt dir auf die linke Schulter..
Wie schrecklich muss sich diese innere Auflösung anfühlen.
O mein Wulf, mein Liebes,  Wie schrecklich ist es, dabei zuzusehen, ohnmächtig, hilflos.  Ich stelle mir vor, ich könnte mit dir tauschen. Du wärst ich. Ich wäre Du.

 

Willst du ohnmächtig an meinem Bett sitzen ?  Ich glaube, du wärst gelassener, könntest leichter loslassen. Trotzdem : Mitleid, Todesangst, Grauen vor dem Verlust. Und ich wäre sediert, verwirrt in meiner eigenen Welt. Nur mit dem Wunsch ..kein Schmerz. Noch einmal sprechen, einmal noch mich bewegen können. .Will dich umarmen und kann es nicht.
„Wieso sitzt du da seit Stunden? Was willst du noch von mir? Ich bin nur noch Krankheit, Zerfall, Absturz.  Ich treibe schon auf meiner Eisscholle weit hinaus, und dein Rufen  erreicht nichts  ..es stört..Ich bin schon in in der eisigen Stille des Todes.  Und du? Deine Wärme, deine Anhänglichkeit, deine Liebe. Wie soll ich das ertragen? Ich verlasse dich doch nicht freiwillig....ich habe auch um dich geweint....mein Schätzel....mein Liebes
Halt mich fest....Lass mich los
Halt mich fest.....Lass mich los.
Weine nicht.....Weine.
Weine nicht.
Es nützt dir ja nichts...und mir nichts. Wie sollen wir zum Ende kommen ? Unversöhnt mit dem Tod....unversöhnt mit dem Krebs.  Niedergerungen voller Zorn.....was für ein Kampf...was für eine Tortur....was für eine Scheiße....was für eine sinnlose Scheiße.

Und dann wird der Atem langsamer, die Pausen zwischen den Atemzügen immer länger und schließlich der letzte Seufzer. Es ist vorbei.
Ich liege neben Dir, halte deine Hand...bin  dir zärtlich nah. Wulf ist tot. Wulf ist tot.
Du bist tot.
Wo bist du ?

 

Wulf und ich haben uns 1985 kennen gelernt durch die Arbeit bei der Berliner Compagnie.  Wir waren zwei  Jahre gemeinsam on Tour, bevor wir ein Paar wurden. 
Ich fand Wulf schön, aber  verliebt hab ich mich in seine  Art zu arbeiten. 

 

Er strahlte Ruhe aus, bewegte sich ohne Hektik und zielsicher. Er war ein genialer Techniker. Hat aus den miesesten Spielorten eine Bühne gezaubert, hat den LKW auf Tausenden von Gastspielen unfallfrei gefahren, oft in atemberaubender Milimeterarbeit und blieb dabei gelassen... Das fand ich anziehend.. Ich habe mich gern, während Wulf am Nachmittag die Bühne für das Abendgastspiel vorbereitete,  ins Dunkel des Zuschauerraums gesetzt, um Wulf bei der Arbeit zuzuschauen. Wie er  auf eine schwindelnd hohe,wackelige Leiter klettert und dort lässig mit den schweren Scheinwerfern hantiert... dabei mit Feingefühl, optimal die Bühne ausleuchtet.

 

Einmal hat er mich entdeckt.“ Hömma ! ,hat er gesagt.. Hömma..ein Ständschn für dich.“. Es war total still im Raum. Wulf ging nun auf der Bühne hin und her und brachte die  Bodenbretter in verschiedenen Tonhöhen zum Knarzen, durch ein leichtes Wippen im Stehen... Eine kleine ganz feine Melodie... Da war es vollends um mich geschehen...

 

Der oder Keiner...
 Ich mochte alles an Wulf. Seine Stimme, seinen Körper,  hab gespottet, ob er dem Nazibildhauer Arno Breker Modell gestanden hätte... Seine Hände, sein Geruch.. Seine Treue, seine Zärtlichkeit, seinen Humor, seine Ausdauer .Und noch bis zum Schluss machte mein Herz einen kleinen Freudensprung, wenn ich ihn wiedersah.

 

Ein Beschützer, ein Ritter, ein stiller Kämpfer, ein ohne Gewese hart Arbeitender, oft zu wenig beachtet.

 

Wulf war als Patient im Urban beliebt.
Wenn ich ihn im Rollstuhl durch die Station 82 schob, grüßten die Pflegerinnen von allen Seiten:: Guten Tag Herr Jahn..Hallo Herr Jahn... Sind sie wieder da Herr Jahn..Wie geht es Ihnen....Dass da am Rollstuhl noch eine Frau Jahn dran hing war bedeutungslos. Mir hat das gefallen.Und ihm wohl auch.

 

Ich mochte Wulfs Fahrweise. Sie entsprach seinem Charakter.  Vorausschauend, gekonnt, unaufgeregt. Ob LKW, PKW odfer Motorroller. Wir haben Tausende Kilometer zusammen zurückgelegt. Vergnügt, entspannt und sicher mit Wulf am Steuer.
Ich mochte sein grandioses komisches Talent. Kaum ein Tag, an dem ich nicht Tränen über  ihn, mit ihm, gelacht habe. Er nahm sich nicht ernst, war ein genauer Beobachter und wenn er wollte von formvollendeter Beweglichkeit.  Ein Jammer, dass ich sein einziges Publikum war. Er wollte es so.
Ein Poet.  Ein Brotbäcker. Ein lieber Schwiegersohn. Ein guter Schwager. Ein Allrounder. Ein Chaot. Ein fürsorglicher, liebevoller Ehemann. Ein felsengleicher Freund. Ein Träumer. Ein Bastler. Ein Erfinder. Ein Leiser. Ein Zarter. .
 Einer, der sich ungern bemerkbar machte, aber gern bemerkt werden wollte. Nicht einfach.
 Seine Herkunft hat Wulf beschäftigt. Die  norwegische Mutter, die sich in den deutschen Soldaten Otto Jahn in Tromsö verliebt hatte und diesen nach dem Krieg in Deutschland geheiratet hat. Als wir 2012 seine Verwandten in Norwegen besucht haben, der jüngste Bruder der Mutter lebte noch, wurden wir herzlich aufgenommen. Aber dort wo an der Wand die ganze Familie fotografiert hing, fehlte  Mutter Inger. Wulf  ist das aufgefallen. Im Jahr 2000 starb Inger Holm Olsen in Oberhausen, wir waren gemeinsam bei ihr . Von seiner Schwiegermutter, die 12 Tage vor Wulf starb,  konnte  er sich nicht mehr verabschieden. Da war er schon zu krank. Er liebte seinen Vater trotz aller Widersprüche. Und sorgt bis heute für das Familiengrab in Düsseldorf .
Ein Bewahrer. In seiner Treue fühlte ich mich geborgen.

 

 Liebster Wulf, bevor ich Dich heilig spreche, will ich doch ein bißchen meckern:

 

Mit Schreibkram und Ordnung hattest du es nicht so. Du hinterlässt mir einen Wust,den zu sichten und zu ordnen ich wohl Jahre brauchen werde und wer weiß, was ich dabei noch über dich erfahre. Und du konntest verletzend sein, schroffe Grenzen ziehen..  Ich fands oft ungerecht.

 

Aber: An ihren Werken sollt ihr sie erkennen.
Als ich dir , dem gelernten Zimmermann, 1995 den Dachrohling in der Muskauer Straße zeigte, hast Du gesagt. Das bau ich Dir aus. Und du hast Wort gehalten. 97 konnten wir in unsere Traumwohnung ziehen. Ohne dich gäbe es auch nicht den Compagnie- Werkraum im Erdgeschoss.
Ohne dein Können, deine Hingabe,  deine Ausdauer gäbe es die Berliner Compagnie nicht. Du hast öfters mit diesem Theater gehadert, warst ein begehrter Techniker auch für andere Veranstalter und bist doch geblieben, hast den Boden bereitet, auf dem wir uns bewegt haben. Selbst die  notorisch grantigen Hausmeister in all unseren Spielorten, haben dich auf Anhieb respektiert. Und es hat dich genervt, wenn die  überdrehte Schauspielerschar vor dir eintraf und dir den Start zur Zusammenarbeit vor Ort verdarb.
Alle meine Bühnenkonzepte habe ich zuerst mit dir besprochen. Durch dich wurden sie machbar. Und ich hab das Lob für die Bühnenbilder eingestrichen.
35 Jahre lang hast du  Tausende von Gastspielen gestemmt. Und mich noch vom Krankenbett aus bei meiner letzten Inszenierung im Werkraum unterstützt.

 

Oft wurdest du um Rat gefragt und hast aus irgendeiner Patsche geholfen .

 

Ein Problem mit  dem Computer?....Wulf rettet,
Der Fernseher spinnt?..... Wulf
Licht.Ton. Strom. Irgendwas klemmt und funktioniert nicht.
Wulf Wulf Wulf
Ich erinnere mich an eine Aufführung im Werkraum. Ich saß am Lichtpult und das Licht ging nicht an. Schließlich musste ich die Zuschauer um Geduld bitten. „Tut mir leid. Ich habe hier ein Problem mit der Beleuchtung. Ich werde meinen Mann, den Wulf bitten...
Und in dem Moment ging das Licht an. „Sehen sie, ich muss nur den Namen erwähnen...
Die Dinge haben dir einfach gehorcht, da wo sie sich unsereinem widersetzt haben. Diese magische Fähigkeit war ein Schatz ohne gleichen. Zumal du damit nicht geknausert hast , hilfsbereit wie du warst. Und wie alle, die über eine große Begabung verfügen hieltest du sie für nichts Besonderes und konntest dich nur wundern über unsere Ungeschicklichkeit.

Die Welt ist feindseliger ohne dich. Die Tücke des Objekts schlägt ohne deinen Schutz ständig zu. Dieses Alles- wird- gut- Gefühl, das du mir vermittelt hast, gibt es nicht mehr.

 


Du bist ist von innen her zerbrochen,  groß und stark, dabei so fragil.

 

Dein Herz flimmerte und stolperte.
Du hast mir aus dem Krankenhaus geschrieben:

 

Guten Morgen Liebes

 

Frühes und hoffentlich Ausgeruhtes

 

für Deinen Tag
So sonnig leise

 

und viel versprechend

 

bevor aus leisen Quellen

 

von rs2 Poesie untergemischt wird

 

Immer leiser wird’s

 

frag mich wieso

 

Um die Stille nicht zu nennen?

 

 

 

Die Liebe galt dir nicht als Vehikel zum Glück. Du wusstest, dass man sich zu tode lieben kann. 

 

Brauchtest Schutz.

 

Darin waren wir uns einig,.

 

Jetzt bin ich Deine Witwe.

Aber 36 Jahre, mein halbes Leben,  durfte ich mit dir teilen. Manchmal haben wir gestritten, doch bevor es Nacht wurde lagen wir uns wieder in den Armen.

Ach Wulf ich vermisse dich entsetzlich..Wie schön wäre es, wenn du wenigsten etwas herumgeistern würdest.

 

 

 

Aber du hast gesagt: Wir sind aus Sternenstaub und werden zu Sternenstaub.
Zu leben, ist Wunder genug

 

 
Dass du mich in dein Leben gelassen hast, dafür danke ich dir.
Dieses letzte Jahr hat gezeigt, dass uns nichts trennen konnte, nur der Tod.

 

 

Berliner Compagnie

Aber nicht küssen ist auch kontraproduktiv

   Szenen aus dem Leben der Rosa Luxemburg. Eine Lecture Performance in vier Teilen.

Ich war super begeistert…Und schauspielerisch war das ne Riesenleistung, war wunderbar.

                                                                                                           Bettina Hirsch, Radio Alex Berlin

Fr 9.2., 19:30; Sa 10.2.,19:30; So 11.2., 18:00
1. Revolution! (1871 - 1905) Von den Anfängen Rosa Luxemburgs in Polen über die Zeiten in der Schweiz und Deutschland, über ihren Kampf gegen den Revisionismus Bernsteins bis zu ihrer Teilnahme an der russischen Revolution 1905 in Warschau.

 

Fr 16.2., 19:30; Sa 17.2.,19:30; So 18.2., 18:00
2. Frieden! (1906 — 1914) Der zweite Teil beginnt mit Rosas Rückkehr aus der russischen Revolution 1906 und endet August 1914. Wir erleben ihr Werben für den Generalstreik als Mittel, den heraufziehenden Krieg zu verhindern; ihren Streit darüber mit den Führern der SPD August Bebel und Karl Kautsky; die schmerzhafte Trennung von ihrem langjährigen Lebenspartner Leon Jogiches; ihre Freundschaft mit Clara Zetkin; Rosa, die als Lehrerin an der Parteischule ihren Schülern Friedrich Ebert und Wilhelm Pieck den Imperialismus erklärt; schließlich, wie sie mit unermüdlichem Einsatz auf den Straßen und auf internationalen Konferenzen für den Frieden kämpft - bis zu dem Augenblick, als sie den Ausbruch des Weltkriegs erleben muss.

 

Fr 23.2., 19:30; Sa 24.2.,19:30; So 25.2., 18:00
3. Freiheit (1914 — 1918) Ihr Entsetzen über den Weltkrieg und die Krise der Sozialdemokratie, die Zeit in den Gefängnissen, Rosas Liebe zu Menschen, Pflanzen und Tieren, ihre Auseinandersetzung mit Lenin und der Oktoberrevolution - ab 5. August 1914 bis zur Entlassung aus dem Gefängnis am 8. November 1918.

 

Fr 1.3., 19:30; Sa 2.3.,19:30; So 3.3., 18:00
4. Rosa Luxemburg in der Novemberrevolution (9. November 1918 - 15. Januar 1919)
Der Weltkrieg ist beendet, der Kaiser verjagt, die parlamentarische Demokratie erkämpft — nun muss die Revolution weitergehen. Nachdem die aus dem Breslauer Gefängnis entlassene Rosa am 10. November in Berlin angekommen ist, wirft sie sich mit Verve in das Revolutionsgeschehen; setzt sich ein für die Macht der Arbeiter- und Soldatenräte, kritisiert als Chefredakteurin der Roten Fahne mit äußerster Schärfe die neue Regierung von SPD und USPD. Hellsichtig wie sonst kaum jemand sieht sie, wie die Revolution verraten wird. Die Massen bleiben für sie jedoch bis zuletzt die entscheidende Instanz für die Verwirklichung des Sozialismus, für eine Umwälzung der Gesellschaft ohne Terror. Der vierte Teil unseres Projektes zeigt so etwas wie die Bewährung lebenslanger Grundgedanken der großen Revolutionärin in der Praxis. Der Mord an Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht aber bildet den Auftakt zu den tausendfachen Morden in den folgenden Monaten der Noske-Zeit, zu den millionenfachen Morden in den folgenden Jahrzehnten der Hitler-Zeit. Er war das Startzeichen für alle anderen. Er ist immer noch uneingestanden, immer noch ungesühnt und immer noch unbereut. Deswegen schreit er immer noch zum deutschen Himmel.

Werkraum der Berliner Compagnie, Muskauer Straße 20 A, Fabrikgebäude
Berlin-Kreuzberg, U-Görlitzer Bhf

 

Eintritt: 16 €, ermäßigt 12 €. Bezahlung an der Abendkasse. Kartenzahlung ist nicht möglich,
Vorbestellung notwendig

 

Vorbestellungen per Mail an: Werkraum@BerlinerCompagnie.de Sie erhalten eine Bestätigungs-Mail Ihrer Reservierung.

 

Wir empfehlen das Tragen einer FFP2-Maske.

 

Die Inszenierung setzt auf Rosas Sprache, führt mit leichter Hand vom Bericht zur Spielszene, setzt zeitliche Strukturen räumlich um und bleibt nah an den ZuschauerInnen. Nicht zuletzt verkörpert die vom georgischen Staatstheater Tiflis kommende Schauspielerin Ana Hauck Rosa Luxemburg so eindringlich, dass auf einer kargen Bühne in einem kleinen Kreuzberger Hinterhof den Zuschauern Leben und Denken einer der größten Frauen in der deutschen Geschichte erstaunlich nahe kommen.

 

Elke Schuster (Regie / Schauspiel)
Helma Fries (Texte / Schauspiel)
Ana Hauck (Schauspiel)
 

Ana Hauck, die Darstellerin der Rosa Luxemburg, stammt aus Georgien. Dort spielte sie zehn Jahre lang im Ensemble des Staatstheaters Tiflis. 2014 wurde sie als beste Schauspielerin Georgiens ausgezeichnet. In der Berliner Compagnie hat sie bisher in fünf Produktionen mitgewirkt.

 

Elke Schuster debutierte als Regieassistentin von Rolf Parchwitz in München, war u.a. Schauspielerin in der Theatermanufaktur am Halleschen Ufer und Regieassistentin von Friedo Solter vom Deutschen Theater. Sie arbeitet seit 1985 in der Berliner Compagnie – als Regisseurin, Schauspielerin, Dramaturgin und Ausstatterin. Sie hat seit 1991 fast alle Stücke des Theaters inszeniert und ist künstlerische Leiterin des Theaters.

 

Helma Fries hat nach Engagements u.a. in der Theatermanufaktur am Halleschen Ufer und am Staatstheater Kassel die Berliner Compagnie gegründet. Sie ist Schauspielerin und Autorin.

 

Nach zwei Weltkriegen (und einem heraufziehenden dritten), nach der materiellen und geistigen Verelendung des größten Teils der Menschheit, der Zerstörung der Biosphäre und der drohenden Auslöschung allen Lebens auf der Erde es ist so gekommen, wie Rosa Luxemburg am Beginn des 20. Jahrhunderts vorausgesagt hat. Sie hat diese Katastrophen erwartet für den Fall, dass die Profitlogik des Kapitals, dass Aufrüstung und Imperialismus weiterhin die Welt beherrschen. Der Sozialismus, für den sie lebte und starb, umfasste nicht nur die Befreiung von Ausbeutung, sondern Frieden, wahrhaft demokratische Verhältnisse und „weitherzigste Menschlichkeit“. Rosa Luxemburgs Vorstellungen sind heute so aktuell wie vor dem ersten Weltkrieg.

 

Wir danken der Rosa-Luxemburg-Stiftung für die finanzielle Unterstützung des Projekts.

Die Berliner Compagnie trauert um einen ihrer wichtigsten Mitarbeiter.

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Rede Elke Schusters auf der Gedenkfeier für Rudolf Stodola
Rede Elke Schusters auf der Gedenkfeier
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Letzte Gastspielangebote der Berliner Compagnie

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Gastspielangebpt 2020, 2021.pdf
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Gastspielangebot 2019, 2020.pdf
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Unsere bislang vorletzten Produktionen:

Die Sehnsucht nach dem Frühling

Theaterstück über eine syrische Familie

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DIE SEHNSUCHT NACH DEM FRÜHLING
Theaterstück über eine syrische Familie

Kritik in der
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Klima, Ernährung, Dritte Welt

ALLES FLEISCH

Theaterstück über die große Solidarität

Über 40 % der jährlichen Weltgetreideernte, 90 % der weltweiten Sojaernte und 40% der weltweit gefangenen Fische werden an Nutztiere verfüttert, von denen jährlich ca. 40 Milliarden geschlachtet werden. Unmengen von Getreide und Soja landen in den Futtertrögen eingepferchter Tiere statt auf den Tellern hungriger Menschen. Die globale Nutztierhaltung führt zu einem immensen Land- und Wasserverbrauch, für Weiden und für Futtermittel.


Der Amazonas wird abgeholzt, ein Drittel der globalen Ackerfläche ist degradiert; Indigene und Kleinbauern in Lateinamerika, Asien oder Afrika fliehen vor den Bulldozern und Killern in die Slums der Großstädte. Die globale Nachfrage nach Futtermitteln treibt die Preise auf den Agrarmärkten in die Höhe, ca. 3,5 Mio Menschen, sterben jährlich an den Folgen von Wasserverschmutzung und Wasserverknappung. Und das alles, damit wir in den reichen Industrieländern mehr Fleisch essen können – Ausdruck einer imperialen Lebensweise des Nordens auf Kosten des Südens. Dazu kommt: Die Kleinbauern im Süden werden durch Fleischexporte aus den Industrieländern geschädigt. Und Deutschland ist längst ein großer Fleischexporteur. Ca. 800 Mio Landwirbeltiere werden allein in Deutschland jährlich für die Fleischproduktion getötet.

Nicht zuletzt soll an die Qualen der Tiere in der heutigen Massentierhaltung und -schlachtung erinnert werden. Die industrielle Verwertung der Tiere folgt derselben Logik, die den alljährlichen Hungertod von Millionen Menschen ermöglicht –  in einer Welt, in der genug Nahrung da ist und kein einziger Mensch mehr hungers sterben bräuchte. Wenn Papst Franziskus sagt: „Diese Wirtschaft tötet“, dann gilt das für all diese Opfer unseres Wirtschaftssystems.

Der Philosoph Max Horkheimer hat unsere Gesellschaft mit einem Wolkenkratzer verglichen: Ganz oben die Eigentümer, die Finanzindustrie, die sich bekämpfenden Manager, darunter die politischen, militärischen und akademischen Eliten, gefolgt von Handwerkern, Proletariern und Kranken. Darunter das koloniale Massenelend, das alle Begriffe übersteigt, bis der Keller des Wolkenkratzers erreicht wird: »Unterhalb der Räume, in denen millionenweise die Kulis der Erde krepieren, wäre dann das unbeschreibliche, unausdenkliche Leiden der Tiere, die Tierhölle.“

Welche Interessen, welche Verstrickung und Vorteilsnahme stehen einer Änderung dieser Verhältnisse entgegen? Im Mikrokosmos einer deutschen Kleinstadt geht unser Stück dieser Frage nach.

Mit dieser Produktion beschließt die Berliner Compagnie ihre Gastspieltätigkeit.

 

Geschichte der Berliner Compagnie

Die BERLINER COMPAGNIE (im Folgenden: BC) ist 1981 als freie Theatergruppe von Gerhard (heute: Helma) Fries sowie anderen Schauspielerinnen und Schauspielern aus verschiedenen Stadt-, Staats- und freien Theatern gegründet worden. Ausgehend von der Erkenntnis, dass Frieden unabdingbar mit Gerechtigkeit zusammenhängt, hat sich die Gruppe eine Satzung gegeben, in der sie sich verpflichtet, mit ihrem Theater "dem Erhalt des Friedens, der Völkerverständigung sowie sozialer Gerechtigkeit, insbesondere im Hinblick auf die Dritte Welt" (§ 2 der Satzung des gemeinnützigen Vereins BC) zu dienen.

Mittlerweile (im Jahr 2023) sind 34 Theaterproduktionen zur Entwicklungs, Friedens- Menschen- und Tierrechtsproblematik entstanden und auf Einladung von Nichtregierungsorganisationen - von Kirchengemeinden, Gewerkschaften, Theatern, Schulen und Bürgerinitiativen in der Bundesrepublik Deutschland, in Österreich, Italien, Belgien, Luxemburg, Tschechien, Polen, in der Schweiz und den Niederlanden - auf annähernd 2500 Gastspielen gezeigt worden.

Seit 1991 wurden fast alle Stücke von der Regisseurin Elke Schuster inszeniert. Sie ist auch, zusammen mit der Autorin Helma Fries, künstlerische Leiterin der BC.

Die BC wurde fünfzehnmal Mal vom EED gefördert, zwölf Mal vom Berliner Senat (davon fünf Mal von der LEZ), sechs Mal von der EU-Kommission, sechs Mal vom BMZ über InWEnt bzw. FEB, zwei Mal vom Fonds Darstellende Künste sowie vom Katholischen Fonds, dem GTS Stifterfonds Samenkorn-Gerechtigkeit, der Rosa-Luxemburg-Stiftung, der GLS-Treuhand, der Aktion Selbstbesteuerung (asb), der Aktion Hofffnung, der Anawati-Stiftung, der BGAG-Stiftung Walter Hesselbach und über einen Förderverein von vielen privaten Spendern.

2004 hat die BC eine vierbändige Ausgabe mit zwölf Stücken herausgebracht. 2017 folgten drei Bände mit weiteren neun Stücken. Im September 2009 erhielt die Theatergruppe den Nationalen Aachener Friedenspreis.

 

Die bisherigen Theaterstücke

1982    DER PROZESS GEGEN DIE NEUN VON CATONSVILLE (Daniel Berrigan)

1984    DIE KUBA KRISE

1985    AUFERSTEHUNG DER SONNE (Die Eroberung Lateinamerikas) 

1986    OSCAR ROMERO 

1987    SDI oder ALS HÄTT' DER HIMMEL DIE ERDE STILL GEKÜSST 

1988    DIE AUSNAHME UND DIE REGEL (Bertolt Brecht) 

1989    JEDEM DAS SEINE. Daimler Benz in Südafrika 

1990    DIE AUSSIEDLERIN 

1991    DAS MANDELBAUMTOR. Zwölf Miniaturen zum palästinensisch israelischen Konflikt

1992    WER TÖTETE CHICO MENDES? 

1993    KEIN ASYL Eine Nacht im Leben des äthiopischen Flüchtlings Jonas Gamta
1994    DAS BANKGEHEIMNIS 

1995    NEWROZ. Kurdische Tragödie, deutsche Farce. 

1997    BEIHLFE ZUM EXPORT (Stück über den deutschen Rüstungsexport) 

1998    KEN SARO-WIWA. BLUT FÜR ÖL
1999    SCHÖNE EINE WELT (Die Herstellung unserer Kleidung in Billiglohnzonen)

2001    HOTEL JUSTICE (Afrika in der Schuldenfalle)   

2003    TERRA! TERRA! (Europäische Futtermittelimpoerte, Landbesetzung in Brasilien

2003    HUMAN BOMBING (Aus Anlass des Irakkrieges 2003)

2005    KREDIT FÜR TASLIMA  (Weltbank, Dorfbank, starke Frauen in Bangladesch)

2006    TANGO MORTAL DEL PESO. Leben und Sterben im neoliberalen Musterland

2007    DAS BLAUE WUNDER. Über die aufhaltsame Privatisierung des Wassers
2008    DIE VERTEIDIGUNG DEUTSCHLANDS AM HINDUKUSCH
2010    DIE WEISSEN KOMMEN. Ein Theaterstück über Afrika. Über uns.
2011    SO HEISS GEGESSEN WIE GEKOCHT. Klimakatastrophe mit Musik

2013    ANDERS ALS DU GLAUBST. Über Juden, Christen, Muslime und den Riss durch die Welt

2014    STILLE MACHT. Eine Lobbyisten-Komödie mit Evergreens und Schmachtfetzen

2015    BETTLER AUF GOLDENEM THRON. Ein Theaterstück über Bolivien

2016    DAS BILD VOM FEIND. Wie Kriege entstehen. Ein Theaterstück

2018    DIE SEHNSUCHT NACH DEM FRÜHLING. Theaterstück über eine syrische Familie

2020   ALLES FLEISCH. Theaterstück über die große Solidarität

2022   ABER NICHT KÜSSEN IST AUCH KONTRAPRODUKTIV. Szenen aus dem Leben der Rosa Luxemburg I-III

2023   ABER NICHT KÜSSEN IST AUCH KONTRAPRODUKTIV. Szenen aus dem Leben der Rosa Luxemburg IV

Taschenbücher mit Stücken der Berliner Compagnie



Laudatio zur Verleihung des Aachener Friedenspreises an die Berliner Compagnie

Am 1. September 2009 in der Aula Carolina, Aachen

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Laudatio Sonia Mikich.pdf
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