...............Die Berliner Compagnie trauert um einen ihrer wichtigsten Mitarbeiter...............

Rede Elke Schusters auf der Gedenkfeier: Rudolf Stodola und die Berliner Compagnie

Es gab immer dieses erste Treffen zu Beginn einer Produktion mit Rudi. Bei diesem Treffen hat Helma ihre ersten Ideen zum Stück vorgestellt. Rudi hatte erste Vorschläge zur Musik und ich oft schon ein erstes Bühnenkonzept. Wir drei haben herumgesponnen, spielerisch, ohne Druck. Das war produktiv  und wir haben uns immer auf dieses Treffen gefreut. Manchmal wurden Weichen gestellt, manchmal blieb von den ersten Ideen nichts übrig. Trotzdem. Es machte uns Mut. Mut, den wir oft genug brauchten für unsere Projekte und Rudi war ein  Ermutiger.

Rudi hat seit 1997 mit der Berliner Compagnie zusammengearbeitet. Dreizehn Inszenierungen haben wir zusammen auf die Beine gestellt. Es gab große Erfolge, Stücke, die wir über die Jahre in Hunderten von Gastspielen zeigen konnten - auch in Belgien, in Tschechien, in Polen -  Stücke, die wir immer noch weiter zeigen. 2009 konnten wir zusammen mit Rudi den Aachener Friedenspreis in Empfang nehmen, ein weiterer Höhepunkt seines Schaffens.

 

Unsere letzte gemeinsame Arbeit „ Die Sehnsucht nach dem Frühling“  hatte am 20. 9.18 in Bad Kreuznach Premiere. Wie immer hat Rudi eine wunderbare Musik dazu gemacht. Das Stück ist bei der Premiere mit stehenden Ovationen gefeiert worden, wurde im Herbst in zehn und im März diesen Jahres in acht weiteren Städten mit Erfolg gespielt, im Februar auch in Berlin. Es gehörte zu Rudis Lieblingsstücken. Am 17. 2. war er noch einmal in der Vorstellung. Da habe ich ihn zum letzten Mal gesehen.

Rudis Anteil an den Inszenierungen ist unschätzbar. Im Programmzettel steht immer „musikalische Einrichtung.....Rudolf Stodola“. So wollte Rudi es haben. Aber seine Mitarbeit ging weit über das Musikalische hinaus. Denn Rudi war ein „Theaterpferd“. Er war  bei fast allen Proben dabei. Er wollte wissen, wohin die Inszenierung geht. Und wenn er mal nicht dabei war, rief er mich abends an. „Na Schusterin, was hast´ heut´ wieder verbrochen?“ und ich: „Stodola, du rüttelst am Watschenbaum.“  Für viele Probleme, die während der Regiearbeit auftauchten, konnte ich gemeinsam mit ihm eine Lösung finden, konnte bei ihm meine Selbstzweifel  loswerden, auch mal über den ein oder anderen Kollegen schimpfen. Er war ein erfahrener Theatermann. Und ein zurückhaltender Mensch voller Wohlwollen. Es ging ihm vor allem um die Arbeit, die Inszenierung, die Kunst. Anderes war für ihn Nebensache: „ A geh´ scheiß di ned ei!“

Einmal allerdings war er richtig sauer. Wir hatten Rudi wie immer fest angeheuert, diesmal für  das Stück „Anders als du glaubst“. Bei der ersten Leseprobe kam ich dann damit raus: Diesmal soll es gar keine Musik geben und auch keine Lieder. „Und was soll i dabei? Da kann i ja glei wieder haam gehn.“ Aber Rudi ist tapfer geblieben und hat eine unverzichtbare Co-Regie geleistet. Ich hoffe, er hat mir verziehen. Manchmal, wenn Rudi und mir die Proben ein bisschen fad wurden, haben wir uns gegenseitig Schläge angedroht. Das mag manche Kollegen irritiert haben, wir hatten einen Riesenspaß.

 

Seine große Liebe galt der Musik. Ich kenne niemanden, der über eine solche Musik-Kenntnis verfügt, wie sie Rudi hatte. Er konnte wirklich aus dem Vollen schöpfen, war ein wandelndes Lexikon der Musikgeschichte, war offen für alles Zeitgenössische und hat uns mit seinen Vorschlägen immer wieder überrascht. Ich habe ihm blind vertraut, denn er dachte dramaturgisch. Es ging ihm nicht um die Musik als Selbstzweck, sondern als Unterstützung der Geschichte, die wir erzählen wollten. Auch hier die Fähigkeit, sich zurück zu nehmen.

Ich habe immer sehr gerne bei Rudis Musikproben mit den Schauspielern dabeigesessen, oder auch mitgemacht. Denn Rudi war ein begnadeter Lehrer. Sein Meisterstück war wohl das Arrangement und die Einstudierung der rasenden Rossini-Quintette in unserem Stück „ So Heiss gegessen wie gekocht“.

Da unsere Inszenierungen minimalistische Bühnenbilder haben, sind Musik- und Geräuscheinspielungen umso wichtiger. Rudi war enorm kreativ und akribisch, was diese oft nur sekundenlangen Einspieler angeht. Die entstanden gemeinsam mit unserem Techniker Wulf Jahn. Bei diesen Treffen wollte Rudi  niemanden sonst dabei haben und so blieben  sie immer ein bisschen geheimnisvoll, brachten  dann die erstaunlichsten Ergebnisse hervor. Rudi hat sich zurecht darüber geärgert, wenn ihnen bei den Proben zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt wurden.

Unsere Premieren finden ja immer außerhalb Berlins statt. Leider ist Rudi in den letzten Jahren nicht mehr mitgekommen. Es wurde ihm einfach zu anstrengend. Wie sehr habe ich ihn vermisst. Denn  wer konnte besser mit mir fiebern, bei Bedarf meine Hand halten und  besser die Freude über eine gelungene Aufführung teilen. Aber Rudi hat nie versäumt, uns noch ein ToiToiToi zu simsen und auf den Anruf nach der Vorstellung zu warten.

Rudi hat die Arbeit der Berliner Compagnie entscheidend geprägt. Seine erste Heimat war jedoch die Theatermanufaktur, die er mitgegründet hat, in der er groß geworden ist und der er bis zu ihrem Ende treu geblieben ist. Helma und ich haben ihn in unseren Jahren bei der Theatermanufaktur kennen und schätzen gelernt. Die  Arbeit der Berliner Compagnie unterscheidet sich in vieler Hinsicht von der der Theatermanufaktur. Die gesellschaftlichen Anliegen teilen wir, aber wir haben unseren eigenen Weg gefunden. Das war für Rudi gewiss nicht immer leicht. Letztlich entscheidend war für ihn die inhaltliche Kontinuität, denn Rudi war von Jugend an überzeugter Sozialist. Zu seinem letzten, seinem 73. Geburtstag am 18. Februar, hat er sich die sieben Bände der Stücke der Berliner Compagnie gewünscht. Wir haben uns geehrt gefühlt. Und bei einem unserer letzten Telefonate hat er seine Wertschätzung für unsere Arbeit ausgesprochen. Am Mittwoch dem 5. März sollte wieder das erste Treffen für unsere neue Produktion stattfinden. Da war Rudi schon in der Nacht verstorben.

Es ist wohl immer so, wenn ein geliebter Mensch stirbt, dass man unter Versäumnissen leidet. Rudi war sehr gebrechlich geworden. Dass es ihm nicht gut ging, war nicht zu übersehen. Was hätten wir tun können? Tun müssen? Ich hatte ihm eine Kur empfohlen, sein Hausarzt hatte sie bereits beantragt. Zu spät. Haben wir Rudi allein gelassen? War Rudi wieder einmal, ein letztes Mal zu still, zu bescheiden, um rechtzeitig um Hilfe zu bitten und wir wiedermal zu beschäftigt, um uns zu kümmern? Da wir nicht mit ihm verwandt sind, erfahren wir nichts über seinen Tod, außer, dass er zu Hause gestorben ist. Ich wünsche mir so sehr, dass es ein sanfter Tod war. Wenigsten das.
Rudi war überzeugter Atheist. Nach dem Motto: Tot ist tot. Mein Herz will das nicht glauben.

Natascha Menzel singt jetzt aus dem schon erwähnten Stück SO HEISS GEGESSEN WIE GEKOCHT die Mozartsche Rosen-Arie, von Rudolf Stodola, arrangiert und einstudiert, Text Elke Schuster.

 

 

 

Das Repertoire des Theaters

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DIE SEHNSUCHT NACH DEM FRÜHLING
Theaterstück über eine syrische Familie

Kritik in der
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Infos, Beratung und Buchung von Gastspielen

bei Karin Fries

BC-Tourneeplanung, Schleißheimer Str. 89
80797 München

089/1298624 Di - Fr 9-13
karin-fries@berlinercompagnie.de

Geschichte der Berliner Compagnie

Die BERLINER COMPAGNIE (im Folgenden: BC) ist 1981 als freie Theatergruppe von Gerhard (heute: Helma) Fries, Jean-Theo Jost sowie anderen Schauspielerinnen und Schauspielern aus verschiedenen Stadt-, Staats- und freien Theatern gegründet worden. Ausgehend von der Erkenntnis, dass Frieden unabdingbar mit Gerechtigkeit zusammenhängt, hat sich die Gruppe eine Satzung gegeben, in der sie sich verpflichtet, mit ihrem Theater "dem Erhalt des Friedens, der Völkerverständigung sowie sozialer Gerechtigkeit, insbesondere im Hinblick auf die Dritte Welt" (§ 2 der Satzung des gemeinnützigen Vereins BC) zu dienen.

   Mittlerweile (im Jahr 2018) sind 30 Theaterproduktionen zur Entwicklungs, Friedens- und Menschenrechtsproblematik entstanden und auf Einladung von Nichtregierungsorganisationen - von Kirchengemeinden, Gewerkschaften, Theatern, Schulen und Bürgerinitiativen in der Bundesrepublik Deutschland, in Österreich, Italien, Belgien, Luxemburg, Tschechien, Polen, in der Schweiz und den Niederlanden - auf über 2000 Gastspielen gezeigt worden.

   Seit 1991 wurden fast alle Stücke von der Regisseurin Elke Schuster inszeniert. Sie ist auch, zusammen mit der Autorin Helma Fries, künstlerische Leiterin der BC.

   Die BC wurde fünfzehnmal Mal vom EED gefördert, zwölf Mal vom Berliner Senat (davon fünf Mal von der LEZ), sechs Mal von der EU-Kommission, sechs Mal vom BMZ über InWEnt bzw. FEB, zwei Mal vom Fonds Darstellende Künste sowie vom Katholischen Fonds, dem GTS Stifterfonds Samenkorn-Gerechtigkeit, der Rosa-Luxemburg-Stiftung, der GLS-Treuhand, der Aktion Selbstbesteuerung (asb), der Aktion Hofffnung, der Anawati-Stiftung, der BGAG-Stiftung Walter Hesselbach und über einen Förderverein von vielen privaten Spendern.

   2004 hat die BC eine vierbändige Ausgabe mit zwölf Stücken herausgebracht. 2017 folgten drei Bände mit weiteren neun Stücken. Im September 2009 erhielt die Theatergruppe den Nationalen Aachener Friedenspreis.

 

Die bisherigen Theaterstücke

1982    DER PROZESS GEGEN DIE NEUN VON CATONSVILLE (Daniel Berrigan)

1984    DIE KUBA KRISE

1985    AUFERSTEHUNG DER SONNE (Die Eroberung Lateinamerikas) 

1986    OSCAR ROMERO 

1987    SDI oder ALS HÄTT' DER HIMMEL DIE ERDE STILL GEKÜSST 

1988    DIE AUSNAHME UND DIE REGEL (Bertolt Brecht) 

1989    JEDEM DAS SEINE. Daimler Benz in Südafrika 

1990    DIE AUSSIEDLERIN 

1991    DAS MANDELBAUMTOR. Zwölf Miniaturen zum palästinensisch israelischen Konflikt

1992    WER TÖTETE CHICO MENDES? 

1993    KEIN ASYL Eine Nacht im Leben des äthiopischen Flüchtlings Jonas Gamta
1994    DAS BANKGEHEIMNIS 

1995    NEWROZ. Kurdische Tragödie, deutsche Farce. 

1997    BEIHLFE ZUM EXPORT (Stück über den deutschen Rüstungsexport) 

1998    KEN SARO-WIWA. BLUT FÜR ÖL
1999    SCHÖNE EINE WELT (Die Herstellung unserer Kleidung in Billiglohnzonen)

2001    HOTEL JUSTICE (Afrika in der Schuldenfalle)   

2003    TERRA! TERRA! (Europäische Futtermittelimpoerte, Landbesetzung in Brasilien

2003    HUMAN BOMBING (Aus Anlass des Irakkrieges 2003)

2005    KREDIT FÜR TASLIMA  (Weltbank, Dorfbank, starke Frauen in Bangladesch)

2006    TANGO MORTAL DEL PESO. Leben und Sterben im neoliberalen Musterland

2007    DAS BLAUE WUNDER. Über die aufhaltsame Privatisierung des Wassers
2008    DIE VERTEIDIGUNG DEUTSCHLANDS AM HINDUKUSCH
2010    DIE WEISSEN KOMMEN. Ein Theaterstück über Afrika. Über uns.
2011    SO HEISS GEGESSEN WIE GEKOCHT. Klimakatastrophe mit Musik

2013    ANDERS ALS DU GLAUBST. Über Juden, Christen, Muslime und den Riss durch die Welt

2014    STILLE MACHT. Eine Lobbyisten-Komödie mit Evergreens und Schmachtfetzen

2015    BETTLER AUF GOLDENEM THRON. Ein Theaterstück über Bolivien

2016    DAS BILD VOM FEIND. Wie Kriege entstehen. Ein Theaterstück

2018    DIE SEHNSUCHT NACH DEM FRÜHLING. Theaterstück über eine syrische Familie

Taschenbücher mit Stücken der Berliner Compagnie



Laudatio zur Verleihung des Aachener Friedenspreises an die Berliner Compagnie

Am 1. September 2009 in der Aula Carolina, Aachen

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