Vorlesungsnachschriften Hans-Georg Geyer

Hans-Georg Geyer (1929 – 1999) gilt - obwohl der breiteren Öffentlichkeit kaum bekannt - als einer der anspruchsvollsten Theologen des 20. Jahrhunderts. Seine Theologie setzt sich offen mit den philosophischen, naturwissenschaftlichen und politischen Herausforderungen seiner Zeit auseinander.

 

Geyers Wirkung beruht nicht zuletzt auf dem unmittelbaren Eindruck wie dem starken Nachhall seiner vielbesuchten Vorlesungen in systematischer Theologie (in Wuppertal, Bonn, Göttingen und Frankfurt). „Erst die Zusammenschau der...verdichteten Sprache seiner Veröffentlichungen mit den ausführlichen Entfaltungen in den nachgelassenen Vorlesungen (ergibt) das ganze Bild seines Schaffens.“1

 

Und das ist der Grund, warum die Vorlesungen2 auf dieser Website den theologisch und philosophisch Interessierten zugänglich gemacht werden sollen.

 

Sie sind auch eine wunderbare Einführung in Geyers Theologie.

 

Das liegt einmal daran, dass er in den Vorlesungen frei gesprochen hat, und die Studenten so dem Vollzug seines Denkens leicht folgen, die Gedankenabfolge in ihrer Stringenz immer nachvollziehen konnten.

 

Zum andern aber auch daran, dass H.G. Geyer in den Vorlesungen seine eigenen Gedanken in äußerst gründlicher Auseinandersetzung mit denen anderer Theologen und Philosophen aus Vergangenheit und Gegenwart entwickelt hat. Hier war ein Gelehrter, der die Fähigkeit besaß, einem nicht nur Paulus, Luther und Karl Barth, sondern auch Hegel, Karl Marx, Nietzsche, Popper und Mao Tse Tung nahe zu bringen.

 

Geyer sah im Denken anderer immer die Chance, sein eigenes Denken zu bereichern. Ich werde nie vergessen, mit welcher Lust und Fröhlichkeit er sich auf Gegenargumente eingelassen hat.

 

Und er war nicht nur Gelehrter. Seine Vorlesungen zu theologischen Themen implizierten stets politische Schlussfolgerungen für die christliche Gemeinde – Einsatz für Demokratie, Kritik an Kapitalismus und Ausbeutungsverhältnissen.

 

Ein tief gläubiger Christ auf der Höhe seiner Zeit.

 

Die Vorlesungen - ein noch zu hebender Schatz.

 

Ich hielt es für sinnvoll, die mühsame und verdienstvolle Arbeit der Göttinger Studenten weiterzuführen und die bisher nur einem exklusiven Zirkel zur Verfügung stehenden Texte3 einem breiteren Publikum zugänglich zu machen.

 

Helma Fries

 

 

 1)  Henning Theißen, in: Geyer, Hans-Georg, Biographisch-Bibliographische Kirchenlexikon (BBKL, im Erscheinen)

 2)  Vorlesungsnachschriften aus den Jahren 1972 bis 1980. Transkripte, von Göttinger Studenten nach Tonbandprotokollen hergestellt, in einer Auflage von je 50 bis 200 Exemplaren verbreitet.

3) Auf der Schreibmaschine getippt, an einigen Stellen auch unleserlich, fehlerhaft oder durch das Kopieren am Rand abgeschnitten. Auf etlichen Seiten ist es mir nicht gelungen, Unterstreichungen zu entfernen; sie haben einfach dem Radiergummi widerstanden. Um die Texte zugänglicher zu machen, werde ich (sukzessive im Laufe der nächsten Monate) jedes Transkript mit einer Inhaltsangabe versehen. Im Wesentlichen werden das die Namen der von H.G. Geyer referierten Philosophen und Theologen sein.

 

 

Die Vorlesungsnachschriften als pdf:

Über Hans-Georg Geyer: